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HALLE

FÜR

KUNST

Lüneburg

Bryony Dawson

NON-PRODUCTIVE READERS #4

Veranstaltung   19. Februar 2026, 17:00 – 19:00

NON-PRODUCTIVE READERS ist eine Lesegruppe für informelle Gespräche über Kunst, Kulturtheorie und experimentelles Schreiben. Initiiert von BRYONY DAWSON im Jahr 2022 und benannt nach dem Essay The Non-Productive Attitude von Josef Strau, erkundet die Gruppe Themen wie Passivität, Ambivalenz, Scheitern und Verweigerung als wesentliche Aspekte kreativer und institutioneller Praxis. Vergangene Lektüren umfassten Texte von Lisa Robertson, Jean Genet, Tiqqun, Clarice Lispector, Katrina Palmer, Jalal Toufic, Gertrude Stein und Seth Price.

Die Treffen der Lesegruppe finden jeweils in den Pausen zwischen den Ausstellungen statt. Die ausgewählten Texte knüpfen dabei thematisch an Erfahrungen und Eindrücke der vorangegangenen Ausstellung an und geben zugleich eine inhaltliche Einführung in das nächste Projekt.

Die Diskussionen finden hauptsächlich auf Englisch statt, eine Flüsterübersetzung und deutsche Textversionen werden angeboten. Es sind keine Vorkenntnisse in Kunst oder Kulturtheorie erforderlich – nur die Motivation, gemeinsam zu lesen und zu denken.

Jede Sitzung widmet sich einem spezifischen Text, entsprechend besteht keine Verpflichtung, an der gesamten Reihe teilzunehmen. Stille Zuhörer:innen sind immer willkommen.

Um das Lesematerial zu erhalten, bitten wir um Anmeldung unter:
readinggroup@halle-fuer-kunst.de

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In der 4. Sitzung am 19.02.2026 lesen wir: Maurice Blanchot, Das unendliche Gespräch (Ausschnitte), 1969/1991

Einhergehend mit dem Ausstellungsprogramm der Halle für Kunst Lüneburg, das derzeit Praktiken des Archivierens und Sammelns verhandelt, hat Bryony Dawson zwei Kapitel aus Maurice Blanchots Das unendliche Gespräch ausgewählt, um über die Pluralität von Stimmen, Begegnungen über Differenzen hinweg und Unterbrechungen, die neue Perspektiven eröffnen, nachzudenken.

Im ersten dieser beiden Kapitel argumentiert Blanchot, dass Stille und Unterbrechung zu den wichtigsten Formen der Konversation gehören und die Grundlage für jeglichen Austausch darstellen. Selbst in seiner einfachsten Form wird ein Gespräch immer durch den Wechsel der Protagonist:innen unterbrochen – eine Unterbrechung um des Verstehens willen, Verstehen um des Sprechens willen.

Im zweiten Kapitel betont Blanchot den Unterschied zwischen „Ich“ und „Anderen“ in einer Konversation und besteht darauf, dass ihre Distanz nicht assimiliert oder verringert werden sollte. Anstelle eines Sprachmodells, das Einheit und Konsens zwischen zwei sich gegenüberstehenden Parteien sucht, bevorzugt Blanchot eine „nicht-dialektische“ Beziehung, die auf Pluralität, Differenz und Widersprüchlichkeit beruht.


Das Vermittlungsprogramm der Halle für Kunst Lüneburg e.V. wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der VGH-Stiftung, des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der Hansestadt Lüneburg.

Logos

BRYONY DAWSON arbeitet als Schriftstellerin, Kuratorin und gelegentlich auch als Künstlerin in Berlin und Wien. Sie leitet die Lesegruppe Non-Productive Readers sowie die Lesereihe Tribute und die Screening-/Performancereihe Multiplex. Ihre kreativen und kritischen Texte erschienen in Frieze, émergent magazine, Motor Dance Journal, Common Pink, Corridor8, Sore und auf Montez Press Radio veröffentlicht. Derzeit absolviert sie einen Master in Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

MAURICE BLANCHOT war ein französischer Schriftsteller, Philosoph und Literat. In seinen Werken befasste er sich mit Vorstellungen von Identität, Gemeinschaft und Tod sowie mit poetischen Theorien über Bedeutung und Sinn. Damit prägte er maßgeblich poststrukturalistische Philosophen wie Gilles Deleuze, Michel Foucault, Jacques Derrida und Jean-Luc Nancy. Neben Das unendliche Gespräch (1969/1991) zählen zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen: Das Todesurteil (1948/1990), Thomas der Dunkle (1941/1982), Der literarische Raum (1955/2012) und Die Schrift des Desasters (1980/2005).